Für Hüterinnen und Hüter

Spielregeln

Hüterinnen und Hüter heißen bei uns die Menschen, die eine Gruppe leiten. Hier stehen alle Regeln, an die sie sich halten. Sie sind öffentlich, damit jeder sie lesen kann — auch wer nur wissen will, was die Person darf, die seine Gruppe leitet. Wer in einer Gruppe dabei ist, heißt bei uns Mitglied.

Wenn von der ganzen Seite drei Sätze hängenbleiben, dann diese:

Frei ist, wie jemand arbeitet. Fest ist, wo es aufhört.
Wer eine Gruppe leitet, entscheidet selbst über Methode, Häufigkeit, Dauer und Preis und darüber, was er sagt. Vorgeschrieben sind nur die Grenzen.
Einladen ist erlaubt, Druck machen nicht.
Eine Einladung lässt den anderen entscheiden. Ein Druckmittel entscheidet für ihn. Wer das eine kann, braucht das andere nicht.
Drei Dinge beenden die Zusammenarbeit sofort.
Behandeln statt reden. Etwas aus einer Gruppe weitererzählen. Ein Verhältnis mit jemandem, der Mitglied der eigenen Gruppe ist. Bei diesen dreien gibt es vorher kein Gespräch.

Was frei ist

Niemand redet hinein, und das ist keine Freundlichkeit: Ein Mensch, dem man Zeiten, Preise und Methode vorschreibt, ist kein Selbstständiger mehr. Die Liste unten ist deshalb kurz, und sie ist es aus einem harten Grund.

  • Die Methode. Mit Fragen, mit Stille, mit Atem, mit Bildern, mit der eigenen Geschichte. Darüber entscheidet, wer die Gruppe leitet.
  • Häufigkeit, Dauer und Gruppengröße. Einmal pro Woche eine Stunde ist nur voreingestellt, keine Vorschrift.
  • Der Preis. 25 € im Monat sind eine Empfehlung. Wer die Gruppe leitet, legt den Preis selbst fest, und die Anteile werden von diesem Preis berechnet.
  • Was gesagt wird. Kein Maulkorb. Wer eine Gruppe leitet, entscheidet selbst, was er dort sagt — wer sich selbst zensiert, ist für die Gruppe wertlos.
  • Die Themen. Geld und die Scham darüber, der Körper, Sexualität, Tod, Erschöpfung, was man für verrückt hält und trotzdem denkt. Nichts davon ist ausgenommen.
  • Pausieren. Eine Gruppe darf pausieren, ohne dass es ihr Ende ist. Ohne Erklärung, ohne Herabstufung, ohne Vermerk.
  • Gehen. Wer aufhört, kann mit den Mitgliedern seiner Gruppe woanders weitermachen. Keine Kundenschutzklausel, kein Wettbewerbsverbot, keine Exklusivität.

Was nicht geht

Zehn Regeln, und keine davon schreibt vor, wie jemand arbeitet. Das ist kein Versehen: Ehala legt nicht fest, wie gearbeitet wird, sondern wo Schluss ist.

  1. Nicht behandeln — reden aber schon. Über jedes Thema darf geredet werden, auch über das Schwere und auch dann, wenn eine Krankheit im Raum steht. Verboten ist nicht das Thema, sondern das Behandeln: keine Diagnose, keine Behandlungsmethode, kein Rat zu einer Behandlung und keiner dagegen.
  2. Kein Ergebnis versprechen. Nicht in der Werbung, nicht im Gespräch, nicht als Nebensatz am Ende eines Treffens.
  3. Andere Hilfe nicht verschweigen. Wer eine Gruppe leitet und an die Grenze seines Könnens kommt, nennt jemanden, der weiterkann. Das heißt nicht, dass der Mensch die Gruppe verlässt — meistens bleibt er, und eine Behandlung kommt dazu. Danach wird nicht nachgefragt: Ob er dort anruft, entscheidet er selbst.
  4. Nichts weitererzählen. Was in einer Gruppe gesagt wird, bleibt dort. Auch nicht anonymisiert, auch nicht als Beispiel auf der eigenen Seite, auch nicht dem eigenen Partner. Die einzige Ausnahme ist Gefahr, und darauf wird vorher im Vorgespräch hingewiesen.
  5. Kein Verhältnis mit Mitgliedern der eigenen Gruppe. Solange jemand Mitglied der eigenen Gruppe ist, gibt es kein Verhältnis mit dieser Person. Wer merkt, dass er das will, gibt die Gruppe ab oder bittet die Person, die Gruppe zu verlassen — vorher, nicht nachher.
  6. Kein zweites Geschäft mit den Mitgliedern. Keine Produkte, keine Beteiligungen, keine Empfehlung gegen Provision, kein Darlehen in eine Richtung. Wer in einer Gruppe ist, ist dort Mitglied und nicht Kundschaft für etwas anderes. Wer nebenher etwas völlig anderes macht, ist davon nicht gemeint — es geht um das, was aus der Gruppe heraus angeboten wird.
  7. Kein Geld fürs Anwerben. Kein Startpaket, kein Mindestumsatz, keine Provision dafür, dass jemand jemanden mitbringt. Niemand verdient hier daran, dass ein anderer eintritt.
  8. Keinen Menschen einteilen. Nicht in die, die es verstanden haben, und die anderen — auch nicht in der freundlichen Variante. Wer zögert, zögert. Das ist kein Symptom.
  9. Nicht im Namen von Ehala sprechen. Wer eine Gruppe leitet, steht mit dem eigenen Namen und Gesicht dafür. Für Rahmen, Ausbildung, Sicherheit und Beschwerdeweg steht Ehala — und was Ehala zusagt, steht schriftlich fest. Mehr sagt niemand in Ehalas Namen zu.
  10. Die Supervision nicht ausfallen lassen. Supervision heißt: Einmal im Monat bespricht, wer eine Gruppe leitet, die eigene Arbeit mit jemand Erfahrenem. Das ist Pflicht. Fallen zwei Termine aus und werden nicht nachgeholt, wird die Gruppe pausiert.

Bei offenen Treffen

Ein offenes Treffen ist der einzige Ort bei Ehala, an dem Menschen dabei sind, die sich noch für keine Gruppe entschieden haben — und wer das Treffen leitet, hat etwas davon, wenn sie es tun. Reden darf man frei, auch über die eigene Gruppe. Verboten sind nicht bestimmte Worte, sondern neun Verkaufstricks:

  1. Künstliche Knappheit. Keine begrenzte Platzzahl als Druckmittel, kein „nur noch zwei frei“. Wenn eine Gruppe voll ist, wird das gesagt, weil es stimmt — nicht, weil es wirkt.
  2. Zeitdruck. Kein Angebot, das heute endet. Kein Preis, der morgen steigt. Wer sich Zeit lässt, bekommt sie.
  3. Jemandem sein Nein ausreden. Ein Nein wird gehört, nicht bearbeitet. Kein „was hält dich wirklich davon ab“, kein zweites Nachhaken im selben Gespräch.
  4. Ein Treffen als Verkaufsgespräch. Kein Treffen, das auf ein Angebot zuläuft. Kein Aufbau, der erst ein Problem sichtbar macht und dann die Lösung dazu verkauft. Wenn am Ende ein Satz zur eigenen Gruppe fällt, bleibt es bei diesem einen Satz.
  5. Erfolgszahlen ohne Zeitraum. Nicht „achtzig Prozent sagen, es hat geholfen“. Entweder mit Zeitraum und der Angabe, wie viele gefragt wurden, oder gar nicht.
  6. Zum Zahlen über die eigenen Verhältnisse drängen. Keine Ratenzahlung, um ein Nein zu umgehen, keine Kreditempfehlung, kein „das kriegst du hin“. Wer nicht zahlen kann, bleibt bei den offenen Treffen — die sind ein vollwertiges Angebot.
  7. Die Anwesenden einteilen. Nicht die, die schon dabei sind, gegen die, die noch zusehen. Nicht „wer es ernst meint“. Bei einem offenen Treffen ist niemand weiter als ein anderer.
  8. Das Angebot als Antwort auf eine Not. Wenn jemand etwas Schweres erzählt, ist die Antwort darauf nie die eigene Gruppe. Das ist die hässlichste Form, und es ist die, die sich am freundlichsten anfühlt.
  9. Andere Hüterinnen und Hüter als Vergleich. Kein Wort über die Arbeit anderer, weder gegen sie noch als Vergleich, um selbst besser dazustehen. Sortiert wird nach Thema, nie nach Qualität.

Erlaubt bleibt alles Ehrliche: sagen, dass man eine Gruppe leitet. Erzählen, wie ein Treffen abläuft. Sagen, was es kostet. Sagen, für wen es nicht passt — das ist die stärkste Einladung, die es gibt. Eine Frage vollständig beantworten. Von sich erzählen, um zu öffnen, nicht um zu beeindrucken.

Und wenn ein Satz unsicher macht: Würdest du ihn auch sagen, wenn danach niemand in deine Gruppe kommen könnte?

Nach einem offenen Treffen

Der Anstoß kommt von den Menschen, die dabei waren. Wer ein offenes Treffen leitet, spricht danach niemanden, der dabei war, von sich aus persönlich an — keine Nachricht, kein Anruf, kein „ich wollte nur mal hören“. Wer selbst schreibt, bekommt eine Antwort, und die darf ausführlich sein.

Alles, was an alle geht, bleibt erlaubt: die Ankündigung des nächsten Treffens, ein Beitrag, ein Newsletter, für den sich jemand selbst angemeldet hat. Und wer schon Mitglied der eigenen Gruppe ist, ist kein Fremder — ihm zu schreiben gehört zur Arbeit. Ein Nein aber bleibt ein Nein: Wer einmal abgesagt hat, wird nicht ein zweites Mal gefragt, auch nicht in drei Monaten und auch nicht mit einem anderen Angebot.

Geld

Der Preis steht vorher fest und wird nicht am Menschen gemacht — nicht höher, weil jemand es sich leisten kann, nicht niedriger, um ein Nein zu drehen. Ein Nachlass ist erlaubt, wenn er für alle gilt und angekündigt ist. Über Geld wird ohne Scham geredet; das ist eine Fähigkeit, keine Zumutung.

Der Monatsbeitrag endet mit dem letzten Treffen, bei dem jemand da war. Wer geht, zahlt nicht für die Zeit danach — und wer weiterverwiesen wird, erst recht nicht. Wie viel davon an Ehala geht, kann jeder nachlesen.

Wenn eine Regel gebrochen wird

Es gibt keinen Katalog mit Punkten und keine Strafen. Es gibt drei Schritte, und sie stehen hier, weil eine Regel ohne Folge keine ist.

  • Schritt 1: ein Gespräch. Unter vier Augen, in der Woche danach. Das ist der Regelfall, und meistens bleibt es dabei.
  • Schritt 2: eine Pause. Die Gruppe pausiert, die Mitglieder zahlen in dieser Zeit nichts und bekommen eine ruhige Nachricht, und niemand verliert seinen Platz in der Gruppe. Die Pause ist keine Herabstufung und wird auch nicht so genannt.
  • Schritt 3: das Ende der Zusammenarbeit. Nur bei den drei Dingen von oben: behandeln statt reden, etwas weitererzählen, ein Verhältnis mit einem Mitglied. Wer ein ganzes Treffen lang über eine Schwermut spricht, hat nichts gebrochen, sondern gearbeitet. Wer eine Diagnose stellt, eine Behandlungsmethode anwendet oder jemandem von seinen Medikamenten abrät, hat eine Regel gebrochen.

Beschweren kann man sich, ohne die Person anzusprechen, um die es geht, und ohne angemeldet zu sein oder seinen Namen zu nennen. Eine anonyme Beschwerde führt nie direkt zu einem der drei Schritte, sondern dazu, dass Ehala genauer hinsieht — wo man nicht nachfragen kann, kann man auch nicht prüfen, und keiner der drei Schritte darf auf etwas Ungeprüftes folgen.